Wert ist das, wo ich aus innerstem Beweggrund ja zu sagen kann.
Wert ist das, wozu ich meine Zustimmung gebe und geben kann
und zwar ehrlich und auf der Basis des Empfindens, nicht auf der Basis nur der Rationalität.
Werte werden gespürt, nicht definiert.

Günter Funke


Humanistische Verfahren


In der Humanistischen Beratung ist der Berater ein interessierter Partner und Begleiter bei der Erkundung des emotionalen Erlebens und der Beziehungsmuster der Klientin. Ziel ist es, die Selbstregulation und die Selbstheilungskräfte des Menschen zu stärken und zu nutzen.

Wird ein Mensch sich selbst fremd und durch diese Erfahrungen überwältigt, spürt dieser Mensch, dass er nicht mehr mit sich selbst übereinstimmt. In der Humanistischen Beratung wird er einfühlsam darin unterstützt, Kontakt zu seinen Gefühlen und Bedürfnissen aufzunehmen, seine Gefühle und seine Beziehungsmuster zu erkunden, zu akzeptieren und zu regulieren. Im Dialog suchen Klientin und Berater nach Möglichkeiten, neue Antworten zu finden.

Ich sehe Sie als einen Menschen, der die nachfolgend angedeuteten Möglichkeiten besitzt und diese Möglichkeiten finden, ausprobieren und einsetzen möchte. Dabei möchte ich Sie unterstützen und begleiten.

Humanistische Grundannahmen


Carl Rogers
, Mitbegründer der Humanistischen Beratung und Therapie:

  • Der Kern der Persönlichkeit ist etwas Positives“ (S. 99 in „Entwicklung der Persönlichkeit“, Klett-Cotta 1983)

  • Die grundsätzliche Vertrauenswürdigkeit der menschlichen Natur (S. 193/194 ebd.)
    Die Grundnatur des frei sich vollziehenden menschlichen Seins ist konstruktiv und vertrauenswürdig. ...
    Wir brauchen nicht danach zu fragen, wer ihn sozialisieren wird; denn eines seiner Grundbedürfnisse besteht darin, sich anderen anzuschließen und mit ihnen zu kommunizieren. ... sein Verhalten entspricht dann den Zielen Überleben und Höherentwicklung eines äußerst sozialen Lebewesens.


  • Kernthese (S. 66/67 in „Der neue Mensch“, Klett-Cotta 2012)
    Das Individuum verfügt potentiell über unerhörte Möglichkeiten, um sich selbst zu begreifen und seine Selbstkonzepte, seine Grundeinstellung und sein selbstgesteuertes Verhalten zu verändern; dieses Potential kann erschlossen werden, wenn es gelingt, ein klar definiertes Klima förderlicher psychologischer Einstellungen herzustellen.

Irvin Yalom, Psychotherapeut und Schriftsteller (S. 32/33 in „Existenzielle Psychotherapie“, EHP 2010):

  1. Der Mensch ist als Mensch mehr als die Summe seiner Teile
    (das heißt, man kann den Menschen nicht aufgrund wissenschaftlicher Studien von Teilfunktionen verstehen.)

  2. Der Mensch hat ein Dasein in menschlichen Kontext
    (das heißt, man kann den
    Menschen nicht aufgrund von Teilfunktionen verstehen, die die zwischenmenschliche Erfahrung ignorieren.)

  3. Der Mensch ist bewusst
    (und kann nicht verstanden werden durch eine Psychologie, die die kontinuierliche vielschichtige Selbstbewusstheit des Menschen nicht anerkennt.)

  4. Der Mensch hat Wahlmöglichkeiten
    (der Mensch ist kein Zuschauer seiner Existenz; er schafft seine eigene Erfahrung.)

  5. Der Mensch ist intentional
    (der Mensch
    weist auf die Zukunft; er hat Zweck, Werte und Sinn.)

Marshall Rosenberg, Begründer der Gewaltfreien Kommunikation (GFK):
  • Alles was wir tun, dient unseren Bedürfnissen ... Was andere (mit uns) tun, ist deren bestmöglicher Ausdruck, sich die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen.“ (S. 14 in „Die Sprache des Friedens sprechen“, Junfermann 2009)

  • Die Spiritualität, die der GFK innewohnt, dient weniger der Verbindung mit dem Göttlichen, sondern entstammt vielmehr der göttlichen Energie, aus der wir erschaffen wurden - unserer natürlichen lebensförderlichen Energie. Sie ist ein lebendiger Prozess, der uns mit unserem inneren Leben und mit dem Innenleben anderer Menschen verbindet. ... In diesem Sinne ist sie eine spirituelle Praxis: Jede Handlung dient dem Zweck, mit Freude zum eigenen Wohlergehen und zum Wohlergehen anderer beizutragen.“ (S. 17 ebd.)

  • ... woher kommt dann die Gewalt? Nun, ich glaube, dass die Gewalt von der Art und Weise kommt, wie wir erzogen werden, und nicht aus unserer Natur. Ich stimme dem Theologen Walter Wink zu, der glaubt, dass wir seit Anbeginn der Zivilisation - seit mindestens 8000 Jahren - auf eine Weise erzogen werden, die uns Freude an Gewalt empfinden lässt. Diese Art von Erziehung trennt uns von unserer einfühlsamen Natur.“ (S. 18 ebd.)
Hervorhebungen in fett von Fred Galka

Einbeziehung spiritueller und energetischer Sichten

Ich ergänze die humanistischen Grundannahmen um spirituelle und energetische Sichtweisen. Dadurch erweitert sich die organismische Sicht der humanistischen Psychologie zu einer ganzheitlichen Sicht auf den Menschen.

Damit wird eine Reduktion von existentiellen und transzendenten Erfahrungen sowie Glaubenserfahrungen in eine rein materielle Sichtweise auf den Menschen vermieden.

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Klientenzentrierte Beratung


Die drei tragenden Elemente in dieser Art der Beratung, d. h. in der Beziehung zwischen Berater und Klientin sind:

  • Unbedingte Akzeptanz und Wertschätzung
  • Empathie (Einfühlung in das Gegenüber)
  • Kongruenz (Echtheit, Übereinstimmung)

Zuerst sind diese drei Elemente Anforderungen an den Berater, der sie für die Klientin erfahrbar werden lässt. Diese drei Elemente bilden die Grundlage und den Rahmen für die Beratungsbeziehung.

Hinzu kommt das nicht-direktive Verhalten des Beraters, d. h. er unterlässt Deutungen, Beurteilungen und Vorgaben. Weiterhin hat der Berater das unbedingte Vertrauen in die (innere) Selbstkompetenz und die Entwicklungskräfte (Selbstaktualisierung) der Klientin. Damit werden Selbsterforschung und Selbstklärung sowie deren Formulierung durch die Klientin möglich.

Sicherheit, Offenheit und Vertrauen können zunehmen. Die Klientin kann es sich leisten, ihre innere Inkongruenz (Nicht-Übereinstimmung) wahrzunehmen, die hinter den Auslösern für die Suche nach einer externen Begleitung/Beratung standen bzw. stehen.

Durch die wahrgenommene Inkongruenz, d. h. eine (teilweise) Nicht-Übereinstimmung mit sich selbst, wird oft klar, dass das bisherige Selbstkonzept, entstanden durch den Einfluss von vielen Fremdbewertungen, nicht (mehr) zur inneren Eigenwahrnehmung (Eigenbewertung: unangenehm - angenehm) passt.

Die klientenzentrierte Beziehung gibt die Sicherheit, die notwendig ist, sich mit der zutage tretenden Verletzlichkeit sowie mit aggressiven und weiteren inneren Elementen auseinander setzen zu können. Die Klientin kann die drei oben genannten Elemente im Laufe der Zeit im Umgang mit sich selbst, ihren (unangenehmen oder ungewohnten) inneren Erfahrungen und anderen Personen einsetzen.

  • Die Selbstakzeptanz der Klientin,
  • die Wertschätzung für den eigenen individuellen Weg,
  • die Empathie für das eigene Innere und das Verhalten im Außen sowie
  • die Übereinstimmung mit sich selbst

können zunehmen.

Die Selbstkompetenz und eine veränderte Sicht auf äußere Situationen sowie die Selbstverantwortung können wachsen und damit neue Reaktions-, Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten entstehen.

Körperzentrierte Selbsterfahrung (Focusing)


Focusing ist die klientenzentrierte nicht-direktive Beratung mit sich selbst, d .h. die Wahrnehmung und Beschreibung des Körper-Erlebens im Augenblick.

Ständiges Erleben ist kennzeichnend für den menschlichen Organismus. Darauf kann jeder Mensch zurückgreifen, wenn er die Bedeutung seiner Erfahrungen finden und erkennen möchte. In der Focusing-Begleitung hilft der Berater der Klientin, sich auf diese Bedeutung zu konzentrieren, damit sie voll und ungehindert erlebt werden kann.

Focusing-Bewegungen (Schritte)

    1. Freiraum schaffen
      „Was ist jetzt alles da?“ und dies alles beiseite stellen
    2. Einen Felt Sense (die Priorität) kommen lassen
      „Was ist jetzt dran?“
    3. Den Felt Sense (die gefühlte Bedeutung) beschreiben
      einen „Griff“, einen Zugang finden
    4. Vergleichen von Beschreibung und Felt Sense
    5. Fragen und den Felt Shift kommen lassen
      solange fragen, bis eine Antwort den Felt Shift (Aha-Erlebnis mit körperlicher Erleichterung) mitbringt
    6. Annehmen und schützen
      alles was der Felt Shift mitbringt freundlich entgegen nehmen, dabei verweilen und es wirken lassen

Gewaltfreie Kommunikation


Ziele gewaltfreier Kommunikation

  • einfühlsame bewusste Kommunikation
  • verhindern verletzender Kommunikation
  • eigene Bedürfnisse und die Bedürfnisse anderer erfüllen, ohne mir selbst und ihnen Gewalt anzutun, d. h. ohne mich selbst und andere zu beeinträchtigen, zu zwingen, einzuschüchtern
  • befriedigende, einfühlsame, erfüllende (d. h. lebensförderliche, gegenseitig von Herzen gebende) Beziehungen aufbauen, wiederherstellen und erhalten 
  • Konflikte in Beziehungen, d. h. in gemeinsame Erfahrungen verwandeln

Wie gewaltvolle Kommunikation Einfühlungsvermögen verhindert

  • durch moralische Urteile
  • durch Vergleiche und Analysen
  • durch Schubladendenken, z. B. denken „wer verdient was?“
  • durch Leugnung von (Eigen-)Verantwortung
  • durch die Annahme, jemanden dazu zu bringen zu können, etwas zu tun
  • durch Denkweisen
    • von angeborener Schlechtigkeit und Mangelhaftigkeit
    • von der Notwendigkeit von Erziehung, Belohnung, Strafen
    • vom Besitz einer allgemein gültigen/der einzigen Wahrheit

Wesentliche Annahmen

  • Alle Menschen bemühen sich, ihre Bedürfnisse erfüllt zu bekommen.

  • Menschen sind gern freiwillig bereit, das Leben anderer zu bereichern, um sich damit die ihre Bedürfnisse nach Kontakt, Austausch, wertschätzender Verbindung, Mitgefühl und Zugehörigkeit
    zu erfüllen.


  • Jede Aggression ist der verzweifelte Versuch, sich ein Bedürfnis zu erfüllen/erfüllen zu lassen.

  • Die Verantwortung für sich selbst und die eigenen Handlungen übernehmen und gleichzeitig die Verantwortung für fremdes Handeln beim anderen lassen.

Die 4 Komponenten (Schritte) des GFK-Prozesses

  1. Beobachtungen (ohne zu bewerten/zu verurteilen; konkret: z. B. Ort, Zeit, Zitat)
  2. Gefühle (in Verbindung mit der Beobachtung, ohne zu interpretieren)
  3. Bedürfnisse (aus denen die Gefühle entstehen, anstelle von Wegen zur Bedürfnisbefriedigung)
  4. Bitten (anstatt Forderungen; konkret anstelle allgemeiner Wünsche; Bereitschaft Ja und Nein anzunehmen)

Den GFK-Prozess anwenden

Der GFK-Prozess kann auf dreierlei Art angewendet werden. Erstens und zweitens erfolgen im Dialog, d .h. nach außen. Drittens erfolgt mit sich selbst, d. h. nach innen (Selbst-Einfühlung).

    1. Im Gespräch mit einer anderen Person nutze ich die vier Komponenten, um mich ehrlich auszudrücken, wie ich etwas erfahren habe und fühle, ohne dabei zu beschuldigen oder zu kritisieren. Am Ende konkret um etwas bitten, das mein Leben bereichern würde, ohne zu fordern. (nach M. Rosenberg)

    2. Im Gespräch mit einer anderen Person nutze ich die vier Komponenten, um empathisch aufzunehmen und auszudrücken, wie du etwas erfahren hast und fühlst, ohne Beschuldigen oder Kritik zu hören. Am Ende empathisch aufnehmen, was dein Leben bereichern würde, ohne irgendeine Forderung zu hören.
      (nach M. Rosenberg)

    3. Im Selbst-Gespräch nutze ich die vier Komponenten, um empathisch aufzunehmen und auszudrücken, was ich in mir erfahren habe und fühle, ohne mich dabei zu beschuldigen oder zu kritisieren. Am Ende empathisch erkennen, was mein Leben bereichern würde, ohne mich fordernd unter Druck zu setzen.


Verurteile nicht, und du wirst nicht verurteilt werden,
denn wenn du andere verurteilst, so wirst du selbst verurteilt werden…

Bibel, aus Matthäus 7,1.2